Tuten und Blasen gegen Strache (2)
Etwas spät, aber dennoch ein kurzer Nachbericht zur Strache-Rede und der Gegendemo vergangenen Freitag:
Als ich am Hauptplatz ankam, traute ich meinen Augen kaum – mit so einem massiven Polizeiaufgebot hab ich nicht gerechnet. Etwa 50 PolizistInnen haben vornehmlich die Rechten “beschützt”, die DemonstrantInnen mussten ums Eck stehen – und der ganze Hauptplatz war in der Mitte geteilt. Durchgang wurde nur bei einer Schleuse gewährt, später musste man dann sogar über die Wiener- oder Neunkirchnerstraße ausweichen um Richtung Bahnhof zu gelangen.
Was sich bei dieser Veranstaltung getummelt hat, war teilweise hart am Verbotsgesetz. Gesehen wurden Reichsadler, einschlägige Aufnäher und Sprüche und mehrere Male wurde von FPÖ-SympathisantInnen der Kühnengruß gezeigt – passiert ist nichts, die Polizei war wieder mal auf dem rechten Auge blind. Zu unschönen Szenen kam es, als einige der Rechten begannen, die Demo zu provozieren – mit Tafeln deren Aufschriften u.a. “Danke für die Werbung” lauteten. Leider haben sich auch auf Seite der DemonstrantInnen – und hier aus den Reihen der SLP – einige Menschen eingefunden, die es für notwendig hielten, Kracher Richtung Polizei zu werfen; ein sehr entberlicher Demobeitrag. Außerdem kam es zu einer Schlägerei zwischen einem Demonstranten und einem Neonazi, näheres hierzu ist mir aber nicht bekannt.
Was die Zahl der Anwesenden betrifft, so gehen die Meinungen auseinander. Die NÖN spricht im selben Artikel mal von 500, mal von 600 (sic!) FPÖ-SympathisantInnen, andere Zeitungen nennen 400 Anwesende. Ich persönlich schätze dass es rund 250 waren, bei der Gegendemo versammelten sich etwa 150 Personen.
Weil ich vorher NÖN erwähnt hab, noch ein paar Kleinigkeiten: Die Berufsdemonstrierer, die Josef Kleinrath, Chef der NÖN in Wiener Neustadt gesehen haben will, konnte ich nicht ausfindig machen, ebenfalls waren die meisten DemonstrantInnen nicht aus der Tierschutzszene, so wie das ein Polizist gegenüber der Zeitung behauptet hat.
Die Rede von HC Strache war übrigens nicht der Rede wert, er ging in keiner seiner Ausführungen auf Wiener Neustadt ein – und auch sonst hatte er nur Allgemeinheiten zu erzählen.
Nun zu einem eher kuriosen Vorfall: Die FPÖ erstattete nach der Veranstaltung Anzeige gegen den ORF und tituleirte in einer Presseaussendung: “Widerliche Manipulationen gegen FPÖ: ORF-Redakteur bestellt Neonazis zu Strache-Kundgebung!”. So weit so gut – stimmt aber nicht. ORF-Reporter drehten für die Sendung “Am Schauplatz” eine Doku über Neonazis und begleitete einige von ihnen über längere Zeit, so auch zur Strache-Kundgebung in Wiener Neustadt. Die Reporten sollen die Glatzen aufgefordert haben, “Sieg Heil” zu rufen. Das ist die FPÖ-Version. Die hat einen Haken: Sie stimmt nicht. Das gedrehte Material wurde der Staatsanwaltschaft übergeben, die keinen Aufruf zu solchen Rufen erkennen kann. Womit eindeutig belegt ist: Die FPÖ hat unrecht. Dass Neonazis anwesend waren, kann allerdings nicht mehr bestritten werden.
Fazit dieser Demo: Wir haben gezeigt,d ass wir solches Gedankengut, Rassistische und Fremdenfeindliche Hetze und Intoleranz in Neustadt nicht haben wollen. Wir werden uns weiterhin wehren – und uns das nicht verbieten lassen.